Sonntag, 1. August 2010

Berliner Höhenweg 3

26./27. Juli 2010
6:00 Uhr, 0°C oder niedriger, Nebel.
Wir entschlossen uns abzusteigen und vom Tal aus zur Berliner Hütte zu laufen. Ich muss sagen, mir ist schon ein Stein vom Herzen gefallen, denn nach dem Erfahrungen von der Wanderung vom 24.7. ist mir ganz schön mulmig gewesen.
Die Überschreitung des Schönbichler Horns wäre wahrscheinlich sogar machbar gewesen, aber es wäre eventuell auch gefährlich geworden und hätte uns auf jeden Fall sehr viel Energie gekostet. Wanderungen im hochalpinen Bereich haben doch eine ganz andere Qualität als unsere Touren in den bayerischen Bergen.
Alle anderen, die meisten deutlich jünger als wir, wollten trotz Schnee über das Schönbichler Horn laufen und haben es dann auch getan.
Für uns ging es hinab und nach einer kurzen Autofahrt zum Parkplatz Breitlahner über einen Forstweg zur Berliner Hütte hinauf. Das waren auch knapp über 700 Höhenmeter, aber ohne Schnee.
Die Berliner Hütte steht unter Denkmalschutz und sieht innen wie ein Palast aus - und das in den Bergen. Der Begriff Hütte ist in diesem Zusammenhang stark untertrieben. Wirklich eindrucksvoll, denn wenn man in die Eingangshalle tritt, erwartet man auf keinen Fall diese Pracht. Da wir reserviert hatten, hatten wir sogar ein Dreibettzimmer und mussten nicht im Matratzen- oder gar Notlager schlafen.
So nach und nach haben wir dann die anderen Wanderer wiedergetroffen, die die Überschreitung gemacht hatten. Einige haben gesagt, dass es wirklich grenzgradig gewesen sei. Einer der jungen Männer hat mir berichtet, dass es an einer steilen Stelle eine 150m lange Seilversicherung gäbe, und er hätte sich 6x hinsetzen müssen, weil ihm seine Beine so gezittert hätten. Da war ich dann doppelt froh, dass wir über das Tal gelaufen sind, auch wenn ich ein etwas schlechtes Gewissen wegen meinen beiden Mitwanderern gehabt habe. Jetzt muss die Wanderung auf einen 3000er noch etwas warten.
Nach dem Abendessen standen dann wieder Überlegungen an wie wir weitermachen. Die Wetterprognosen waren schlecht, der Weg zur Greizer Hütte geht auch auf über 2800 Höhenmeter, war also weiterhin verschneit. Außerdem hätten uns bei diesem miesen Wetter so um die 1200 Höhenmeter Aufstieg und ca. 1100 Abstieg erwartet sowie einige seilversicherte Stellen und Leitern.
Von den Wanderern vom Vortag wollte nur ein Pärchen weitergehen, alle anderen wollten dableiben und abwarten. Hoffentlich ist das Paar gut angekommen.
Ja und wir, wir haben uns entschlossen am Nachmittag des folgenden Tages wieder zum Speichersee herunterzulaufen und nach Hause zu fahren. Wir hatten noch überlegt in Bayern auf einer niedrigeren Höhe eventuell noch eine Tour zu machen, aber das schlechte Wetter hat auch das zunichte gemacht.
Mein Mann und unser Freund haben am nächsten Vormittag noch eine Fototour zum Schwarzsee gemacht, der einer der schönsten Seen in den Alpen sein soll, wie man es auf diesem sonnigen Bild sieht. Leider sind sie aber bis auf wenige Augenblicke nur im Nebel unterwegs gewesen. Mein Mann hatte sich besonders auf tolle Landschaftsfotos und Fotos mit wehendem Wollgras gefreut, aber wie Ihr seht, alles war nass. Das haut nun keinen Fotografen vom Hocker.
Während die Männer unterwegs waren, habe ich genußvoll bei einem Cappuccino die Beine hochgelegt, die Aussicht genossen und gestrickt. Auf dieser Tour habe ich doch tatsächlich drei Paar Handstulpen fertig bekommen. Man muss für den Notfall wirklich immer sein Strickzeug dabei haben. Fotos folgen in einem anderen Beitrag.
So, nun bin ich mit meinem Bericht am Ende. Mir hat die Tour trotz all der Widrigkeiten Spaß gemacht und ich freue mich schon auf weitere Wanderherausforderungen. Ich hoffe Ihr auch ;-)))
Herzlichen Dank für Eure Kommentare und fürs Durchhalten.
P.S. Alle Bilder wurden von meinem Mann und unserem Freund gemacht. Vielen Dank, dass ich sie hier in meinem Blog zeigen darf.

Kommentare:

  1. Liebe Angelika,
    danke für diesen interessanten Bericht eurer Wantertour. Schade, dass euch das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht habt und ihr nicht alles so ablaufen konntet, wie ihr wolltet. Jedoch wird euch trotzdem diese Tour in Erinnerung bleiben. Tolle Bilder.
    LG
    Anja

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  2. Liebe Angelika,
    herzlichen Dank für diesen wundervollen Bericht über eure Wanderung. Mit Spannung habe ich die neuen Teile erwartet und mit großem Interesse gelesen und fast schon mitgezittert.
    Auch die Bilder haben in diese Welt hoch oben wunderbar mitgenommen und geführt.
    Herzliche Grüße
    Ingrid

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  3. Liebe Angelika!

    Ich habe alles von vorn bis hinten durchgelesen und bin immer noch völlig gefangen von Deinem Bericht und den superschönen Bildern. Danke, dass Du uns daran hast teilhaben lassen!

    Liebe Grüße

    von Birgit

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